MKS - Historisch

Historiker charakterisieren die Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge als Höhepunkt und Abschluss des umfassenden Kruppschen Sozial- und Wohlfahrtswerkes, das von Alfred Krupp (1812-1887) ins Lebens gerufen und von seinem Sohn Friedrich Alfred Krupp (1854-1902) ausgebaut wurde. Margarethe Krupps Stiftung markiert in diesem Zusammenhang den Übergang von der "tradierten Fürsorge für die Kruppianer zu einer umfassenden Sozialpolitik".

Im Gegensatz zum Werkswohnungsbau und zu sonstigen Wohlfahrtseinrichtungen der ehemaligen Friedrich Krupp, die ausschließlich Werksangehörigen vorbehalten waren, richtete sich das Wohnungsangebot der Margarethe Krupp-Stiftung von Anfang an an die gesamte Essener Bevölkerung.

Die Stiftungsgründung und der Siedlungsbau der Margarethenhöhe vollzogen sich in einer entscheidenden Phase räumlicher und politischer Neuordnungsbemühungen in Essen. Die "Alte" Margarethenhöhe gilt heute als ein städtebauliches Lehrbeispiel des synergetischen Zusammenwirkens einer vorausschauenden Stadtentwicklungspolitik mit einem außergewöhnlichen privatem Stiftungsengagement.

Margarethe Krupp (1854-1931), nach dem Tod ihres Mannes Friedrich Alfred Krupp (†1902) treuhänderische Konzernleiterin, stattete ihre Stiftung 1906 mit einem Grundbesitz von 50 ha und einem Kapital von 1 Million Mark aus. Die Leitung der Stiftung wurde unter dem Vorsitz des Essener Oberbürgermeisters paritätisch mit Mitgliedern des Essener Stadtrates und der Kruppschen Konzernverwaltung besetzt. An dieser Stiftungsverfügung hat sich bis heute nichts geändert.

1907 übereignete Margarethe Krupp der Stadt Essen weitere 50 ha Land als "Promenaden-Schenkung", das seitdem als unbebaubarer Waldpark die Margarethenhöhe umschließt. 1911 beschloss die Essener Stadtverordnetenversammlung, die im Bau befindliche Siedlung in Anerkennung der Leistung ihrer Stifterin "Margarethenhöhe" zu nennen. 1937 schenkten Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach aus Anlass des 125 jährigen Bestehens der Friedrich Krupp der Stiftung weitere 15 ha Bauland.

Der heutige Gebäudebestand der Stiftung setzt sich aus zwei großen und in unterschiedlichen Zeiträumen realisierten Siedlungseinheiten zusammen: der "Alten" Margarethenhöhe (Bauzeit 1909-1934/38, Prof. Dr. Georg Metzendorf) und der "Neuen" Margarethenhöhe (Bauzeit 1962-1966, 1971-1980) nach Plänen von Dr. Wilhelm Seidensticker.

Überregionale Aufmerksamkeit wird der Margarethenhöhe seit langem insbesondere durch die "Alte" Margarethenhöhe zuteil, die als "Gesamtkunstwerk" und "Denkmal von europäischem Rang" bewertet wird. 1979 zählte sie zu den 10 internationalen Siedlungsbeispielen, die von den Architekturhistorikern Bauer, Baudez und Roux für eine Veröffentlichung unter dem Titel "Banlieues de charme ou l'art des quartiers jardins" ausgewählt wurden.

Der Bau der "Alten" Margarethenhöhe erfolgte unter Leitung des hessischen Stadtplaners und Architekten Prof. Dr. Georg Metzendorf (1874-1934) von 1909 bis 1934/38 in 29 Bauabschnitten. Der städtebauliche und architektonische Spannungsbogen der Siedlung reicht dabei von einer zunächst traditionellen Orientierung über die Wiederentdeckung der Stadtbaukunst des 18. Jahrhunderts bis zu einer Georg Metzendorf eigenen Form der sachlichen Moderne, die als "sein Beitrag zum Westdeutschen Impuls" in die Bau- und Kunstgeschichte einging. Sein Konzept des Klein-Wohnhauses mit höchst innovativen Ausstattungsdetails, das er 1908 auf der "Hessischen Landesausstellung für freie und angewandte Kunst" vorgestellt hatte, war das Grundmodul, das in ständiger Weiterentwicklung und Variation auf der Margarethenhöhe verbaut wurde. Der Bau der "Alte" Margarethenhöhe war ein Jahrzehnte währendes bauliches Experiment, da der Architekt durch Regierungserlass von allen Bauvorschriften befreit war. Vieles von dem was hier erprobt wurde, fand später Einlass in die deutschen Normen und Bauordnungen. Alle Leitlinien des heutigen, mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnungsbaus - Mischung der Funktionen (Wohnen-Arbeit-Erholung), Stadt der kurzen Wege, Angebundenheit an den öffentlichen Personen-Nahverkehr, maßvolle Verdichtung der Bebauung, Sozialpflichtigkeit der Bodenverhältnisse - wurden auf der Margarethenhöhe bereits im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts realisiert.

Zwischen 1930 und 1933 angestellte Planungsüberlegungen, die Margarethenhöhe im Süden durch eine zweite etwa gleich große Gartenstadt zu erweitern, konnten aus wirtschaftlichen Gründen nicht umgesetzt werden. 1938, bei Abschluss der Bauarbeiten, lebten in 1.685 Wohnungen insgesamt 5.250 Menschen. Die schweren Kriegszerstörungen der Jahre 1943 bis 1945 konnten, in Anlehnung an die ursprüngliche Planung, in z. T. etwas geänderter, vereinfachter Form bis 1956 beseitigt werden.

1956 wurde dann auch ein Wettbewerb zur Erweiterung der Margarethenhöhe ausgeschrieben. Die bauliche Realisation der "Neuen" Margarethenhöhe erfolgte von 1962 bis 1980 nach Plänen des Wettbewerbgewinners Dr. Wilhelm Seidensticker. Allerdings folgte der Bau der "Neuen" Margarethenhöhe gänzlich anderen städtebaulichen und architektonischen Kriterien. Mehrgeschossige Zeilenbauweise, in weite Grünflächen gesetzt und ergänzt um Punkthochhäuser, setzen einen deutlichen gestalterischen Kontrast zur "Alten" Margarethenhöhe.